Wenn die Gedanken nicht mehr aufhören: Warum wir so viel grübeln – und was wirklich hilft
- Theresa Lechner, BSc
- 25. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Was, wenn etwas schiefgeht?“ – „Hätte ich das anders machen sollen?“ – „Was denkt die andere Person über mich?“
Viele Menschen kennen diese Gedanken. Sie kommen abends im Bett, während der Arbeit, beim Autofahren oder scheinbar aus dem Nichts. Manchmal verschwinden sie nach wenigen Minuten wieder. Manchmal drehen sie sich jedoch stundenlang im Kreis.
Dieses Gedankenkarussell nennen wir häufig Grübeln.
Warum grübeln wir überhaupt?
Grübeln ist nicht einfach ein Zeichen dafür, dass jemand „zu viel nachdenkt“. Unser Gehirn versucht ständig, Probleme zu lösen und mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. Ein gewisses Maß an Nachdenken kann deshalb durchaus hilfreich sein.
Schwierig wird es, wenn aus Nachdenken ein endloses Kreisen wird.
Beim Grübeln suchen wir häufig nach einer Sicherheit, die es im Leben gar nicht geben kann. Wir versuchen, vergangene Situationen hundertprozentig zu verstehen oder zukünftige Ereignisse vollständig vorherzusehen.
Das Problem: Je mehr wir versuchen, absolute Sicherheit zu bekommen, desto mehr Fragen entstehen.
Der Unterschied zwischen Nachdenken und Grübeln
Ein hilfreiches Nachdenken führt meistens zu einer Erkenntnis oder einer Entscheidung:
„Was kann ich konkret tun?“
Grübeln dagegen führt häufig zu immer neuen Fragen:
„Was, wenn …?“„Warum habe ich das gesagt?“„Was hätte ich anders machen können?“„Was, wenn es wieder passiert?“
Nachdenken bringt uns in Bewegung. Grübeln hält uns häufig fest.
Warum Unsicherheit so schwer auszuhalten ist
Ein wichtiger Bestandteil von Sorgen und Ängsten ist die Schwierigkeit, Unsicherheit auszuhalten.
Wir möchten gerne wissen, dass alles gut ausgehen wird. Wir möchten sicher sein, dass andere Menschen uns mögen, dass wir die richtige Entscheidung treffen oder dass in Zukunft nichts Schlimmes passiert.
Doch diese Sicherheit kann uns niemand garantieren.
Psychotherapie bedeutet deshalb nicht, jedem Menschen beizubringen, niemals mehr Angst oder Sorgen zu haben. Vielmehr geht es darum, einen anderen Umgang mit diesen Gefühlen zu entwickeln.
Nicht jede Unsicherheit muss aufgelöst werden. Manche Unsicherheit darf einfach da sein.
Was kann im Alltag helfen?
Ein erster Schritt besteht darin, Gedanken überhaupt wahrzunehmen.
Statt automatisch in die Gedankenspirale einzusteigen, kann man sich fragen:
„Denke ich gerade über ein konkretes Problem nach – oder versuche ich gerade, eine Unsicherheit zu lösen, die sich gar nicht vollständig lösen lässt?“
Auch eine bewusste Rückkehr in die Gegenwart kann helfen. Ein Spaziergang, körperliche Bewegung, ein Gespräch, bewusstes Atmen oder eine Tätigkeit, die Aufmerksamkeit erfordert, können das Gedankenkarussell unterbrechen.
Hilfreich kann außerdem die Frage sein:
„Gibt es etwas, das ich jetzt konkret tun kann?“
Wenn die Antwort „Ja“ lautet, kann ein kleiner nächster Schritt geplant werden.
Wenn die Antwort „Nein“ lautet, kann es darum gehen, die Unsicherheit auszuhalten, anstatt weiter darüber nachzudenken.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll sein kann
Gelegentliche Sorgen gehören zum Leben. Wenn Grübeln und Ängste jedoch sehr viel Zeit beanspruchen, den Schlaf beeinträchtigen, Beziehungen belasten oder dazu führen, dass man bestimmte Situationen zunehmend vermeidet, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.
Psychotherapie kann dabei helfen, die eigenen Gedanken- und Verhaltensmuster besser zu verstehen und neue Strategien im Umgang mit Sorgen, Ängsten und Unsicherheit zu entwickeln.
Dabei geht es nicht darum, den Kopf „abzuschalten“.
Es geht darum, wieder selbst entscheiden zu können, welchen Gedanken man Aufmerksamkeit schenkt – und welchen nicht.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Wir können nicht kontrollieren, was morgen passiert. Wir können nicht verhindern, dass andere Menschen uns manchmal missverstehen. Und wir können nicht jede falsche Entscheidung vermeiden.
Aber wir können lernen, mit dieser Unsicherheit anders umzugehen.
Vielleicht ist deshalb nicht die Frage
„Wie kann ich endlich sicher sein, dass alles gut wird?“
die wichtigste.
Sondern:
„Kann ich darauf vertrauen, dass ich auch dann mit dem Leben umgehen kann, wenn nicht alles so läuft, wie ich es mir wünsche?“
Genau dort kann Veränderung beginnen.

Kommentare